Der Astronom Schwabe

In seiner fast 43-jährigen astronomischen Tätigkeit war nicht nur die Sonne der Untersuchungsgegenstand Samuel Heinrich Schwabes. So war er weiter auf der Suche nach sogenannten „intramerkuriellen“ Planeten, also Objekten die noch innerhalb der Bahn des sonnennächsten Planeten Merkur die Sonne umlaufen sollten.

Da diese dann als kleine, dunkle Flecke an der Sonnenscheibe vorbeiziehen müssten, konzentrierte Schwabe seine intensiven Beobachtungen auf das Zentralgestirn und schuf somit die Grundlage für seine späteren Entdeckungen auf der Sonnenoberfläche.

Er beobachtete auch den Mond, die Planeten Mars, Jupiter und Saturn sowie die Kometen Halley und Encke. Zudem führte er regelmäßige Häufigkeitsbeobachtungen von Sternschnuppen durch. Über 80 Artikel und größere Aufsätze sowie seine wissenschaftliche Korrespondenz zeugen von der umfassenden astronomischen Arbeit Schwabes.

Neben seiner herausragenden astronomischen Leistung, der Entdeckung der Periode der Sonnenflecken, sollen an dieser Stelle drei weitere Beispiele für Schwabes Arbeit auf dem Gebiet der Himmelsbeobachtung aufgeführt werden.

Auf Schwabe gehen die ersten bekannten, detaillierten Zeichnungen des Großen Roten Flecks, eines riesigen Wirbelgebietes in der Atmosphäre des Jupiter, zurück. Weiterhin beschäftigte ihn beim größten Planeten des Sonnensystems die verschiedenfarbige, streifige Struktur der Planetenatmosphäre und deren schnelle Veränderungen.

Bei seinen Saturnbeobachtungen beschäftigte ihn vor allen Dingen der Ring des zweitgrößten Planeten. Im „Heimatlichen Jahrbuch für Anhalt“ von 1926 heißt es dazu „Er fand die Exzentrizität des Saturnrings und stellte später fest, dass der Ring nicht mit dem Saturnäquator parallel läuft.“

Schwabes diesbezügliche Beobachtungstatsachen und Schlüsse führten zu erregten Diskussionen in der Fachwelt, widersprachen die theoretischen Betrachtungen der Berufsastronomen jener Zeit doch Schwabes These. Namhafte Astronomen, wie Struve und Bessel bestätigten dann später Schwabes mit dem gleichen Ergebnis wiederholt durchgeführte Messungen. Eine weitere Bestätigung durch Messwerte gab es auch durch den römischen Astronomen de Vico. Aus heutiger Sicht werden möglicherweise Schattenwirkungen die Aussagen der damaligen Zeit beeinflusst haben.

Auch Kometenerscheinungen faszinierten Schwabe und veranlassten ihn nach eingehender Beobachtung des Kometen Halley zu folgender Bemerkung:
„Bei längerer und genauerer Anschauung des Kometen drängte sich besonders heute der Gedanke auf, als strahle der Kern sein Licht mit Gewalt der Sonne zu, allein diese dränge die Lichtmaterie so zurück, dass sie sich in zwei Teile spalten müsse, welche sich bogenförmig zurückkrümmen und den Hauptschweif bilden.“

Damit wurde die Kometenerscheinung rein qualitativ richtig erfasst und dies war keineswegs selbstverständlich in einer Zeit, in der angesehene Experten wie der Astronom Bessel das Wirken elektrischer Abstoßungskräfte für die Schweiferscheinung verantwortlich machten.