Die Geschichte

Die „Alte Bäckerei“ in der Johannisstraße zählt zu den wenigen noch vorhandenen Fachwerkbauten der Dessauer Neustadt. Gemeinsam mit anderen Häusern verschiedener Epochen wie etwa dem benachbarten Schwabehaus (Wohnhaus des Astronomen und Botanikers Samuel Heinrich Schwabe – erbaut 1826) und dem Wohnhaus des Bildhauers Friedemann Hunold in der Johannisstraße 10 (er wohnte dort von 1820 bis 1840) bildet dieser historisch gewachsene Straßenzug ein in Dessau denkmalpflegerisch einzigartiges Ensemble.

Die Alte Bäckerei besteht aus einem Vorderhaus, das als Fachwerkbau mit einer dreiachsigen, symmetrischer Fassadengliederung etwa um 1800 bis 1810 erreichtet wurde. Dieses Haus war bereits vorhanden, als das Schwabehaus ab 1826 entstand. Vermutlich um 1870 errichtete man die beiden Seitenflügel in Massivbauweise mit unverputztem Ziegelmauerwerk. Um diese Zeit ist wahrscheinlich auch das Schaufenster und die Ladentür für den Verkaufsraum der Bäckerei eingepasst worden. Der älteste Beleg für die Nutzung als Bäckerei stammt aus dem Jahr 1873.

Der letzte Bäcker war von 1959 bis 31.12.1975 Kurt Diedrich. Danach nutzte sein Sohn Kurt Diedrich die Räume bis Ende der 1980er Jahre für Vorbereitungsarbeiten zur Zuckerwatteherstellung. Sowohl die Räume der Bäckerei als auch die noch als Wohnung genutzten Räume wurden im Jahre 1990 aufgegeben und an die Familie Polland (Erbengemeinschaft) zurück gegeben, worauf das Haus bis zu dessen Sanierung leer stand.

Im Erdgeschoss links befinden sich heute noch Rudimente der alten Backstube. Der nicht mehr funktionstüchtige Dampfbackofen aus dem Anfang der1930er Jahre stammt von der Firma Alwin Michel & Co aus Großschönau in Sachsen. Seine Schaufront bildet heute ein stimmungsvolles Ambiente für den Frisiersalon „la rubia“.