Projekt: Johannisstraße 17 – Alte Bäckerei
Lage und Bedeutung
Das Gebäude befindet sich unmittelbar neben dem Schwabehaus. Die „Alte Bäckerei“ in der Johannisstraße zählt zu den wenigen noch vorhandenen Fachwerkbauten der Dessauer Neustadt. Gemeinsam mit anderen Häusern verschiedener Epochen wie etwa dem benachbarten Wohnhaus des Astronomen und Botanikers Samuel Heinrich Schwabe (erbaut 1826) und dem Wohnhaus des Bildhauers Friedemann Hunold in der Johannisstraße 10 (er wohnte dort von 1820 bis 1840) bildet dieser historisch gewachsene Straßenzug ein denkmalpflegerisch einzigartiges Ensemble.
Geschichte des Hauses
Das Vorderhaus wurde als Fachwerkbau Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Vermutlich um 1870 entstanden die beiden Seitenflügel. Über dem linken Ladenfenster weist noch heute ein Schriftzug auf die ehemalige Funktion hin. Der älteste Beleg für die Nutzung als Bäckerei stammt aus dem Jahr 1873. Der letzte Bäcker war vom September 1959 bis Ende der 1970er Jahre Kurt Diedrich.
Im Erdgeschoss des nördlichen Seitenflügels befindet sich heute noch die fast komplette Backstube der alten Bäckerei. Der nicht mehr funktionstüchtige Dampfbackofen aus den Jahren zwischen 1925 und 1935 stammt von der Firma Alwin Michel & Co aus Großschönau in Sachsen. Bis in die 1980er Jahren war das Haus noch bewohnt bzw. wurde als Lager genutzt. Seit über zwanzig Jahren steht das Haus leer und zerfiel zusehends.
Engagement des Schwabehaus e.V.
Der desolate Zustand des Hauses gefährdete zunehmend das Schwabehaus. Dies und die Nachfrage nach weiteren Vereinsräumen veranlassten den Schwabehaus e.V. zum Handeln. Im Juni 2007 wurde das ca. 350m² große Grundstück vom Verein in Erbbaupacht übernommen und das Haus zum symbolischen Preis erworben.
Seit dem Kauf des Hauses wurden in mehreren Arbeitseinsätzen Haus und Hof beräumt, das Grundstücke gesichert, 100 m³ Müll und zwei LKW voller Schrott abtransportiert sowie die Fenster am Haus freigelegt und provisorisch verschlossen.
Im Rahmen eines Pilotprojektes der Nationalen Stadtentwicklungspolitik „Initiative ergreifen“ wurden das Sanierungs- und Nutzungskonzept weiter konkretisiert und neue Wege zur Finanzierung erschlossen. Die Baukommission des Vereins hat mit dem Dessauer Architekturbüro ding.fest die Planungen konkretisiert, der Bauantrag ist eingereicht.
Nutzungskonzept
Im Erdgeschoss sollen zwei Ladengeschäfte entstehen. Im Obergeschoss wird es preiswerte Räume für Vereine und Initiativen geben. Die Haustreppe soll wieder an ihren ursprünglichen Ort verlegt und eine früher die Hofansicht prägende Galerie im Obergeschoss wieder hergestellt werden. Es ist vorgesehen, den alten Backofen aufzuarbeiten. Er wird jedoch nicht wieder in Betrieb genommen. Hof- und Gartenbereich werden öffentlich zugänglich sein. Im Hofbereich werden neue Anbauten in moderner Bauweise errichtet. Wie auch beim Schwabehaus ist geplant, Änderungen gegenüber der historischen Bausubstanz durch andere Farben und Oberflächenmaterialien kenntlich zu machen.
Finanzierung und Umsetzung
Die Gesamtkosten betragen rund 500.000 €. Davon wird der Verein rund ein fünftel selbst tragen. Unter anderem soll dazu ein Kredit aufgenommen werden, den derzeit 55 Personen mit Kleinbürgschaften zusätzlich absichern werden. Daneben werden Eigenleistungen und angesparte Mittel des Schwabehaus e.V. investiert.
Ein erster Förderbetrag in Höhe von 145.050 € wurde Anfang September 2009 überreicht, damit konnte bis zum Juni 2010 mit der Sicherung und Sanierung der Gebäudehülle begonnen erden.
Mittlerweile liegen weitere Förderzusagen aus dem Programm Stadtumbau-Ost vor, hat der Stadtrat die erforderlichen Maßnahmebeschlüsse gefasst. So können im Jahr 2011 die Sicherungsarbeiten fortgesetzt und der Innenausbau in Angriff genommen werden. Es ist geplant, die Arbeiten bis zum Oktober 2011 abzuschließen. Dann wäre das zweite bürgerschaftliche Projekt des Schwabehaus e.V. erfolgreich umgesetzt.